Die Kunst des Sockels bei Alberto Giacometti
Alberto Giacometti (1901-1966) wuchs in der Schweiz bei seiner Familie auf, und insbesondere bei seinem Vater, einem bekannten Maler, der ihn in die Kunst einführte. In seinem Atelier entdeckte Alberto Giacometti die Malerei und das Zeichnen. Im Alter von vierzehn Jahren fertigte er seine ersten Skizzen und Bilder an.
Ab 1926 entwickelte Alberto Giacometti ein Interesse an den frühen und primitiven Künsten. Er schätzte es besonders, dass afrikanische oder ozeanische Werke sich von einer strengen Figuration der Natur lösten, um eine bildhaftere und totemistische Darstellung anzunehmen.
In seinem Werk finden sich auch Inspirationen aus der ägyptischen Kunst, insbesondere in der Darstellung seiner stehenden Figuren.
Im Laufe der Zeit entwickelte Giacometti ein einzigartiges Gefühl für die Proportionen seiner Skulpturen.
Seine Skulpturen sind entweder riesig oder sehr klein. Giacometti erklärte dies damit, dass er die Menschen auf der Straße aus der Ferne sehr klein sah, aber aus der Nähe riesig. Diese Vision setzte er in seinem Atelier um. Daher die riesigen oder sehr kleinen Figuren.
Diese Überlegung führte zu Werken wie Der gehende Mann von 1960, der über 1,80 m misst, und seinem Gegenstück, Kleine Büste auf Doppelsockel von 1940-1941.
Anhand dieser beiden Beispiele wird Giacomettis Arbeit mit Proportionen deutlich. Es ist aber auch festzustellen, dass die kleinste Skulptur auf einem doppelten Sockel thront. Dieser verleiht ihr ein monumentales Aussehen.
Es ist das erste Mal, dass ein Bildhauer seinem Sockel so viel Bedeutung beimisst.
KURZÜBERSICHT
- Alberto Giacometti ist ein Schweizer Künstler.
- Sein Vater, Giovanni, selbst ein anerkannter Maler und Sammler, führte ihn sehr jung in die Kunst ein.
- Mit 26 Jahren begeisterte sich Giacometti für afrikanische, ozeanische und ägyptische Kunst.
- Danach konzentrierte sich seine künstlerische Reflexion auf die Frage der Proportionen und der Raumgestaltung in der Skulptur, mit monumentalen, aber auch sehr kleinen Skulpturen.
Den Sockel zu einem integralen Bestandteil des Werkes machen
Giacomettis Inspirationen - die ägyptische Kunst
Sehr schnell, wenn man Giacomettis Werk studiert, erkennt man, dass der Sockel kein belangloser Teil ist. Für ihn ist der Sockel manchmal wichtiger als die Skulptur, er ist ein wahrer Bestandteil des Werkes. So wie ein Gemälde einen Rahmen hat, platziert der Sockel das Werk im Raum.
Der Sockel integriert oder distanziert den Betrachter.
Als Beweis für die Bedeutung des Sockels enthalten viele Skulpturen das Wort "Sockel" im Titel, zum Beispiel:
- Figur auf großem Sockel - Okt. 1950
- Kleiner Mann auf Sockel - 1973
- Kleine Büste auf Doppelsockel - 1940/41
Um visuell zu verstehen, woher sein Interesse an Sockeln rührt, genügt es, seine Arbeit mit einem ägyptischen Grabkunstwerk der Ptolemäerzeit zu betrachten und zu vergleichen.
- Gleiche Armposition entlang des Körpers
- Gleiche Vorwärtsbewegung der Beine
- Gleiche Position auf einem Sockel, der das Werk vergrößert und ihm eine höhere Dimension verleiht.
Für Giacometti kann der Sockel mehrere Dinge gleichzeitig sein: ein Boot, das an ägyptische Bestattungsriten erinnert, ein Element, das hilft, das Werk besser im Raum zu positionieren, oder einen imaginären Raum für die Skulptur zu schaffen.
💡 HINWEIS
Bei Giacometti wird der Sockel niemals anders behandelt als das Werk selbst. Dies führt dazu, dass die beiden Elemente buchstäblich zu einem einzigen Werk verschmelzen.
Die Formen der Sockel in Giacomettis Kunst
1. Sockelplatte
- Dieser breite, horizontale Sockel begleitet die Skulptur in ihrem Gang. Er erscheint als Weg, eine Plattform, eine Basis, auf der die Figuren Halt finden. Dieser Sockel umgrenzt einen Lebensraum für die Figuren. Der Sockel erhöht sie nicht, er platziert sie. Abbildung 1
2. Minimaler Sockel
- Dieser winzige Sockel scheint die Skulptur nicht tragen zu können. Er erzeugt eine Spannung im Raum, die den Eindruck erweckt, dass alles fallen könnte. Durch dieses Spiel der umgekehrten Proportionen hebt Giacometti die Zerbrechlichkeit der Existenz hervor.
3. Erhöhter Sockel
- Diese Art von Sockel kehrt die üblichen Proportionen zwischen Sockel und Skulptur vollständig um. Hier ist die Skulptur winzig und der Sockel sehr imposant. Paradoxerweise hebt die starke Präsenz des Sockels die Skulptur hervor. Er sakralisiert sie.
4. Architektonischer Sockel
- Mit dem architektonischen Sockel treibt Giacometti seine Überlegungen zum Sockel auf die Spitze. Er schafft wahre Umgebungssockel. Diese Sockel heben das Werk hervor. Sie umgrenzen seinen Raum, schützen es und verleihen dem Werk eine Perspektive.
In jedem Fall war der Sockel ein integraler Bestandteil des Werkes, die Komposition beginnt am Boden.
Die 3 bekanntesten Werke Giacomettis
- Der gehende Mann – 1948
- Der Wagen – 1950
- Die Käfige – 1949
Der gehende Mann – 1948
Dieses Werk ist eine Ikone der Kunst des 20. Jahrhunderts. Der gehende Mann vereint mehrere Elemente, die für Giacomettis Werk repräsentativ sind.
1- Die Rauheit der Bronzeoberfläche, die das Licht vibrieren lässt.
2 - Der unsichere Gang der Figur auf ihrem Sockel, inspiriert von ägyptischen Grabskulpturen.
3 - Die schlanke Figur wie ein Schatten
Der Wagen – 1950
Der Wagen – 1950
In Der Wagen aus dem Jahr 1950 finden sich Inspirationen aus der ägyptischen Kunst. Die Figur scheint im Raum zu schweben. Ihr Gleichgewicht ist prekär. Auffallend sind auch hier die ungewöhnlichen Proportionen dieses Werkes.
Feine Figur und das Verhältnis ist fast 50/50
Die Käfige – 1949-1950
Die Käfige – 1949-1950
Die ersten Spuren der Käfige finden sich in den Jahren 1930/1940. Die bekannteste Version entstand jedoch zwischen 1949/1950.
Es besteht eine Kontinuität zwischen Sockel und Streben. Der so geschaffene Raum erscheint als eine Bühne, auf der sich die Figuren entfalten.
Wo kann man Giacomettis Werke sehen?
- Giacometti-Stiftung, Paris
- Maeght-Stiftung, Saint-Paul de Vence
- MoMA - New York
Seit ihren Anfängen wird Giacometti von der Galerie Maeght vertreten. Es ist also selbstverständlich, dass einige seiner Skulpturen in Saint-Paul de Vence zu finden sind.
2026 ist die Eröffnung des neuen Giacometti-Museums in Paris geplant.
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